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winter – hibernus

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Die Inspiration für Zusammenhänge entsteht am Ort: Ein lächelnder, überraschter Betrachter kann ein Meilenstein sein, Verbündeter in einem fast 1000-jährigen Kreislauf.
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Markt

Die historischen Quellen des späten Mittelalters dokumentieren, dass Produkte wie Äpfel, Birnen, Walnüsse im ehemaligen Priorat Wintringen angebaut und weiterverarbeitet wurden. Hinzu kamen Brot, Käse, Wein und Wasser. Versorgt wurde mit diesen Produkten das Priorat, das Mutterkloster – die Prämonstratenserabtei Wadgassen – und sicherlich auf Märkten die Menschen in der Umgebung. Einige dieser Produkte werden heute wieder oder immer noch ökologisch auf dem Wintringer Hof angebaut bzw. angeboten. Dazu gehören Obst und Walnüsse sowie Wurst, Käse und Getreide.

Menschen mit Behinderung sind auf dem Wintringer Hof in die Betriebsabläufe eingebunden. So werden heute der soziale Auftrag und der Schutz von Natur und Umwelt durch ökologischen Anbau hochwertiger regionaler Lebensmittel sinnvoll verbunden. Landwirtschaft und sozialer Auftrag bleiben an diesem außergewöhnlichen Ort bewahrt und schaffen gemeinsam mit dem hier noch erlebbaren kulturellen Erbe des Mittelalters das Bewusstsein für ökologische Landwirtschaft, soziale Verantwortung, Kulturgeschichte und regionale Identität.

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Zur Winterveranstaltung am 20. November 2005 wurden diejenigen Produkte, die heute noch auf dem Hof produziert und verkauft werden, in der „Kapelle“ in der überlieferten Tradition „feilgeboten“. Eine mediale Deckenprojektion spiegelte als Gegenwelt, mittelalterliche Marktszenen. Die so entstandenen Spiegelbilder verwoben sich mit den Darstellungen im Zwielicht der Abenddämmerung…

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Licht

Vor Erfindung der Elektrizität war Licht keine allgemein und jederzeit verfügbare Annehmlichkeit. Kerzen waren so teuer, dass sie als kostbare Weihegaben dienten und sorgsam gehütet wurden. Der dunkle Wald, die Nächte waren beunruhigend; Tages- und Jahreszeiten rhythmisierten viel stärker als heute das Leben und die Verrichtungen der Menschen. In der Theologie, der religiösen Kunst und Kirchenarchitektur des Mittelalters spielt das kostbare Licht als Zeichen des Göttlichen eine wichtige Rolle.

Welch eine Sensation viele hundert Jahre später das elektrische Licht bedeutete, lässt sich nur erahnen. Heute verfügen wir über fast unbegrenzte Möglichkeiten, Licht zu schaffen und inszenatorisch einzusetzen. Licht dient heute nicht mehr ausschließlich der Helligkeit, sondern ist ein auch Medium der Gestaltung.

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Die Lichtinstallation Ingo Brackes kontrastierte die moderne Lichtinszenierung mit der archaischen Kraft des Kerzenlichtes im Inneren. Er hüllte den Außenraum der Kapelle in eine kühle, blaugrüne Schattigkeit, die sich deutlich von dem warmen Licht des Innenaumes absetzte. Das Licht diente hier der Inszenierung und „Verklärung“ des mittelalterlichen Gebäudes im Zwielicht des Winterabends. Durch die Unwirklichkeit des Lichtes wurde die ferne Vergangenheit der „Kapelle“ ins Magisch-Mystische gesteigert.

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INGO BRACKE, GEBOREN 1972 | 1992–95, STUDIUM DER INNENARCHITEKTUR | 1995–97, STIPENDIEN FÜR BARCELONA, STUDIEN DER ARCHITEKTUR, BILDENDEN KUNST UND BÜHNENBILD U. A. BEI ERIC MIRALLES UND CARME PINOS | 1997–2000, STUDIUM SZENOGRAFIE, ABSCHLUSS ALS DIPLOMINGENIEUR INNENARCHITEKTUR/SZENOGRAFIE | 2000, DAAD STIPENDIUM ZUR DIPLOMARBEITSREALISATION IN BARCELONA | 2000–2002, FREIBERUFLICHE TÄTIGKEIT ALS BÜHNENBILDNER, LICHTGESTALTER, AUSSTELLUNGS-ARCHITEKT UND INSTALLATIONSKÜNSTLER | SEIT 2002, STUDIUM DER FREIEN KUNST/MIXED MEDIA AN DER HBK SAAR BEI PROF. CHRISTINA KUBISCH

Musik

Winterlieder und Texte des Ensembles Wahnfrîd, bereits bekannt aus der Herbstveranstaltung 2004, begleiteten das Geschehen.