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Das Gold

Gold steht in allen Weltreligionen für das Göttliche, das Helle des Lebens, das Wertvolle und wertspendende religiöse Grundprinzip, das trotz aller Einflussnahme durch die Menschheit das Göttliche – die höhere Macht – bleibt. Gold wird mit Reinheit, Weisheit, dem Heiligen schlechthin in Verbindung gebracht. In der Alchemie des Mittelalters stand Gold für erstarrtes Licht, für die Erlangung des Zentrums, das Gleichgewicht zwischen den Polen. In der anthroposophischen Medizin wurde es als Aurum metallicum zur Stabilisierung des Wesengliedergefüges, bei Erschöpfung und Stoffwechselschwäche eingesetzt.

Um diese Stabilisierung des Gefüges im menschlichen Dasein und Miteinander zwischen Mensch und Natur scheint es Hermann Bigelmayr zu gehen und er verordnet folgerichtig Gold in homöopathischer Blattgolddosierung über sprichwörtlich vielschichtigen künstlerischen Kommentar.

Mit der abschließenden Vergoldung der beiden Reliefs wird aber letztlich der Wirkungszusammenhang zwischen Ethik und der menschlichen Natur auf die Goldwaage gelegt und lässt eine der Ursachen erahnen, warum sie partout nicht ins Lot kommen will. Das menschliche Zusammenleben leidet in der Gegenwart unter einer schweren Erkrankung, die vielfach noch gar nicht diagnostiziert wurde – die Gleichgültigkeit. Diese ist auf einen Mangelzustand an Empathie zurückzuführen. Sich dagegen aufzulehnen ist ein höchst persönlicher Akt, kein aggressiver, ein selbstbestimmter und nicht fremdbestimmter, und liefert mit jedem Gramm mehr einen Schritt zum überlebensnotwendigen Gleichgewicht auf dieser Erde.
[Literatur: Lexikon der christlichen Ikonografie, Rom 1994].

Essenz: Das Heilige entsteht in der Empathie, die den Ausgleich zwischen den Polaritäten sucht.