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Bildsprache – Von Zeichen und Symbolen

Die komplexe Kulturgeschichte der religiösen und ethischen Weiterentwicklung der Menschheit und ihre jeweiligen Auswirkungen auf den inneren und äußeren Frieden, auf Einigung oder Entzweiung, auf Zerfall oder Zukunft belegen, dass sich Moralität und Ethik nicht verordnen lassen. Beides basiert jedoch im Kern auf Wirkungszusammenhängen, die in den philosophischen Weltanschauungen der Menschheit bereits sehr früh erkannt wurden. Diese weisen auf lebensnahe Möglichkeiten hin, wie sich das Menschsein mittels eines fantasievollen Bewusstseins von festgefahrenem Denken und einer materialistischen Gesinnung herauslösen kann.

Bereits Konfuzius wusste, dass weder Worte noch Gesetze, sondern letztlich Zeichen und Symbole die Welt beherrschen. Anerkanntermaßen lassen sich ihre Wirkung als eigenständige Form der nonverbalen Kommunikation beschreiben, die zudem unmittelbar einen Dialog mit dem Unterbewusstsein auszulösen vermag. Symbole und ihre kulturgeschichtlich fundamentierten Bedeutungskategorien senden einen Impuls an das Unbewusste und regen die Willensbildung an.

Diese Aspekte können mittels der Bildsprache des Werkes von Hermann Bigelmayr verdeutlicht werden. Die Symbolkraft der von ihm gewählten Zeichen wirken so stark, dass er sich für sein bildhauerisches Arbeiten auf ein fundamental reduzierendes Ausdrucksformat beschränkt. Auf diese Art und Weise vermitteln sich die einzelnen Themen wie übereinandergelegte Schichten, deren jeweilige Bedeutung sich zu einem Wirkungsfeld verweben lassen. Für die Betrachter eröffnen sich im bewussten Dialog zwischen Bildsprache und Symptomatik nachvollziehbare philosophische „Forschungsthemen“, deren Ergebnisse – und seien sie auch noch so unscheinbar – in den realen Lebenswirklichkeiten zur Anwendung kommen können.

Die folgende „Leseanleitung“ bietet eine Möglichkeit das Werk bei näherer Betrachtung in seinen Tiefenschichten zu öffnen, um über diesen kunstdidaktischen Zugang die Denk- und Handlungsrepertoires der Betrachter zu erweitern. Eine vorerst isolierte Betrachtung der Bedeutung der einzelnen Symbole im Kontext des Ortes und seinen Fragen erleichtert diesen Vorgang.