Kulturort Wintringer Kapelle    
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Das Kalksteinrelief

Zwei auf der Oberseite vorhandene schwalbenschwanzförmige Ausarbeitungen weisen bei dem in der Wintringer Kapelle aufgefundenen Kalksteinrelief auf eine Verbindungsmöglichkeit etwa als Predella eines Altares hin. Dargestellt ist eine Dorflandschaft mit umgebender Natur und wandernden Menschen. Die Hauptszene bildet eine Marienerscheinung mit zwei anbetenden Engeln. Maria schwebt schützend über den Häusern eines Dorfes und einer Kirche. Nebenszenen lassen aber auch andere Deutungen zu. Die Abbildung einer Jakobsmuschel in der Szenerie könnte auch als Hinweis auf die Szene einer Pilgerreise gewertet werden. Die Vertiefungen im Kalkstein dienten wohl Kerzen- oder Kienspanhaltern, wodurch
die Szene bei Dunkelheit illuminiert werden konnte.

Das Relief entspricht dem Kunstgeist der vermutlichen Entstehungszeit (16. Jh.), in der das Fremdartige betont wurde. Irdische Paradiese, exotische Menschen, Pflanzen und Tiere wurden aus der Antike oder dem Orient überliefert. Inspirierend wirkten vor allem die Berichte von Entdeckungsreisenden. Sie waren verantwortlich für das gesteigerte Interesse am Fremden und Exotischen.Neben all dem vermittelt die Szenerie auch die individuelle Vorstellung ihres Erschaffers von heimischen und fernen Landschaftsbildern.