Kulturort Wintringer Kapelle    
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Die sieben Todsünden
 

Der Maler Nikola Dimitrov hat sich bereits zu Beginn des Jahres 2005 auf diesen Prozess der Auseinandersetzung mit einer Kunstform, die im Kontext einer religiösen Weltanschauung erfüllt wurde, eingelassen. Er wagte damit eine Annäherung an vordergründig Unbegreifliches, um auf seine künsterische Weise ein Angebot für eine gegenwartsbezogene Verständigungsebene im Dialog der Wassersschlagfiguren mit ihrem Betrachter zu unterbreiten.

Im Rahmen einer eigens konzipierten Ausstellung inspirierten ihn dabei die allegorischen Gestalten der Wasserschlagfiguren zu einer malerischen Auseinandersetzung mit der Thematik der Todsünden. In seiner Deutung verknüpft er die sieben kardinalen Laster, die den Menschen vom Weg zu sich selbst wie von Gott entfernen, mit der auch der mittelalterlichen Ideenwelt vertrauten Symbolik der Planeten. Die Planeten repräsentieren seit der Antike innere und äußere Kräfte, welche die Entwicklung des Menschen unter einen Spannungsbogen von Licht und Schatten stellen. In der Polarität zwischen Gut und Böse, zwischen Himmel und Erde, Aufstieg und Fall ordnen sich die Todsünden als Extreme psychischer und physischer Möglichkeiten ein. Auch der Engel wird zu einer mehrdeutigen Gestalt als Lichtträger und Diener der Dunkelheit.

In den acht pfeilerähnlichen, die aufstrebenden Formen der Gotik aufnehmenden Tafelbildern entfaltete Dimitrov in der für ihn typischen Bildsprache ein symbolisches Universum menschlicher Individualität als Antwort auf seinen Dialog mit diesem Zyklus. Er schuf damit einen zeitgemäßen Spiegel der Selbsterkenntnis, in der Tradition des "memento mori". Stefanie Risch