Kulturort Wintringer Kapelle    
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"Es ist der Weg des Menschen, ein Weg durch die geistige Mitte der Menschheit, eine tief empfundene Überzeugung, die letztendlich die einzige Chance in sich trägt, einen mittlerweile absehbaren Zusammenbruch überlebensnotwendiger Systeme zu verhindern. Dies ist die zentrale Botschaft meines Werkes."

Hermann Bigelmayr

 

Das Werk

Die Installation des Bildhauers Hermann Bigelmayr zitiert am Kulturort Wintringer Kapelle unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ einen scheinbar durch den Boden der Kapelle gewachsenen, überdimensionalen Weizenhalm, der bis in das ehemalige Gewölbe der spätgotischen Kapelle ungebremst gewachsen ist und dort in ca. neun Meter Höhe abgebrochen ist. Die Konstruktion dieses Weizenhalmes besteht aus ursprünglich vier Ahornstämmen, die der Künstler filigran herausgeschnitzt hat. Bigelmayr hat dazu zunächst ein Modell im Maßstab 1:20 entwickelt, um hier bereits die Statik zu berechnen. Das Tragwerk des gebrochen Halmes, sein Blatt, von dem ebenfalls ein Stück abgebrochen ist, sowie ein letztes, am Boden liegendes übergroßes Weizenkorn samt Spreu postulieren die fatalen Folgen einer gesellschaftspolitischen Grundeinstellung, die auf stetiges Wachstum ausgerichtet ist.

 
 

Am Ausgang der Kapelle verweist ein einziges Weizenkorn auf einem Quadrat eines "Schachbretts" auf eine alte Überlieferung, welche die Gefahr eines exponentiellen Wachstums verdeutlicht…
Gleichfalls wirbt die Installation für eine völlig andere Bewertung der Natur, die nicht bloß beherrschbare Materie ist, sondern ein eigenständiges, lebendiges System, in das der Mensch als Teil dessen eingebunden ist. In diesem Sinne möchte Bigelmayr mit der thematischen Verankerung des Weizens auch die beispielgebende ökologische Landwirtschaft des Wintringer Hofes hervorheben, die in einem sozialen und ökologischen Betriebssystem ökonomische Vorteile aufzeigt und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt beiträgt. Letztlich entfacht der Halm auch einen Dialog mit dem eingestürzten gotischen Gewölbe der alten Prioratkirche. Im Wesen verwandt mit dem "gebrochenen" Weizenhalm, ist das alte Gewölbe nur noch an den Resten der tragenden Wandsäulen bzw. Schildbögen, die ursprünglich die Kreuzrippen gebündelt haben, erahnbar.

 

"Jeder Tag weiterbestehenden exponentiellen Wachstums treibt das Weltsystem näher an die Grenzen des Wachstums. Wenn man sich entscheidet, nichts zu tun, entscheidet man sich in Wirklichkeit, die Gefahren des Zusammenbruchs zu vergrößern".

Dennis L. Meadows

[Quelle: Die Grenzen des Wachstums, 1972]