Kulturort Wintringer Kapelle    
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Lebendiges Naturlicht

Subtil spielt der Film mit den Ursprüngen der Lichttheologie der Gotik, in deren Kontext sich auch im 15. Jh. ein Neubau der Prioratkirche von ihrem romanischen Vorgängerbau löste. Die Kameraführung fokussiert immer wieder auf die Kirchenfenster und verweist auf eine bedeutende Transformation, die sich in mittelalterlicher Architektur, etwa im 13. Jh., von der romanischen zur gotischen Baukunst vollzog. In jener Zeit führte die gegenseitige Befruchtung von bautechnischem Fortschritt einerseits und Lichttheologie und Lichtmystik andererseits zu einer architektonischen Revolution: Die steinerne Wand als Wesenselement des Bauens löste sich in farbige Lichtwände auf. Das einfallende irdische Licht wird durch die Lichtführung der Fenster zu göttlichem Licht transformiert und bewirkt so auch die „Seele des Bauwerks“. Licht war in der Architektur unentbehrliches Werkmaterial. Die besondere Rolle der Lichtsymbolik – führt schließlich in der Baukunst zu Höhepunkten, zu "Kathedralen aus Licht" wie beispielsweise die Kathedrale von Metz.

Für die Lichttheologie der Gotik steht eine „Lichtfigur“, Abt Suger von St. Denis.
[…Wie er die Fenster an der Fassade seiner Kathedrale erweitert hat, damit der Raum, der nach alter Weise etwas dunkel war, in reicherem Licht erglänze… Aus der Vita des Bischofs Hugo | Chronik der Bischöfe von Auxerre um 1180 ]

Für den Abt konnte der Kirchenraum nur aus seiner Mitte heraus erstrahlen. Ein Ort an dem sich natürliches Licht mit dem göttlichen Licht vermählt. Nur das lebendige Naturlicht hat in Sugers Lichtarchitektur Bestand. So auch bei dem (weitgehenden) Neubau der Prioratskirche der Prämonstratenser von Wintringen im 15. Jh. Die Lichtführung durch die neuen, weitaus höheren und spitzbogigen Maßwerkfenster im Gefüge des Bauwerks spielte für den Baumeister eine Rolle, die das Funktionale weit überstieg.