Kulturort Wintringer Kapelle    
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Der Raum füllt sich mit Besucherinnen und Besuchern: junge, alte, Leute vom Hof, altgediente Forstleute, ein junger Sinologe, ein Architekt und Aktivist, eine engagierte Erzieherin, ein Gast aus Polen – nur ein Querschnitt meiner Begegnungen im Laufe dieses Nachmittags. Mein Einstieg in den heutigen "Diskurs zur Ausstellung" ist ein Goethe-Wort: "...gebackenes Brot ist schmackhaft und sättigend – für einen Tag; aber Mehl kann man nicht säen, und die Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden." Ein wunderbares Sinnbild für Nachhaltigkeit. Jeder versteht es, erst recht hier, im landwirtschaftlichen Ambiente des Wintringer Hofes. Goethe verachtet keineswegs das tägliche Sattwerden, den Genuss, das Aroma von frischgebackenem Brot, die Selbstsorge. Aber, so sagt er, zur Selbstsorge gehört die Sorge um das Saatgut, also die Vorsorge. Und damit bringt er die Bedingungen für das Wachsen und Gedeihen der Saaten ins Spiel: die Bodenfruchtbarkeit, den Wasserhaushalt, die Biodiversität, mit einem Wort – die Ökologie.
 
 
Die Natur kennt kein grenzenloses Wachstum. Nur Keimen, Wachsen, Reifen und Vergehen. Das Können – und die Weisheit – des Landwirts und des Försters besteht darin, im Moment der höchsten Reife zu ernten. Und gleichzeitig für die "Naturverjüngung", die Regeneration zu sorgen. Die Vorstellung permanenten Wachstums von Strukturen entspringt menschlicher Hybris. Diese Logik führt unweigerlich in den... Kollaps. Das war vor vierzig Jahren die Botschaft des Club of Rome und ist hier und heute die Aussage von Hermann Bigelmayrs Skulptur.