Kulturort Wintringer Kapelle    
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Epilog von Josef Jirasek

Ich war nicht auf das vorbereitet, was da geschah. Gut, meine Texte standen im Vorhinein fest; abgesprochen hatten wir darüber hinaus aber nur den Ablauf, wann wer seinen Einsatz habe. Mehr nicht. Und dann wurde ich selbst zum Zuschauer der Veranstaltung, die ich mit verantwortete.

 
 

Wir wollten die Grenzen des Wachstums mit theologischen Texten und einer Musikperformance aufzeigen. Die Gefahren ungehemmten Missbrauchs der Ressourcen unseres Planeten benennen. Aber wir wollten dort nicht stehenbleiben, vielmehr mit einem Ausblick der Hoffnung enden. Der Hoffnung auf die Selbstgestaltungskräfte der Natur, aber auch der Einsicht zukünftiger Generationen in die Notwendigkeit ökologischen Handelns. Meine Texte sollten das widerspiegeln.

Dorothee Sölles Gedicht "Eine Geschichte aus dem Talmud und Fragen an uns" drückt im ersten Teil die Verzweiflung und Wut am Zustand der irdischen Schöpfung aus.

Der altbekannte Text von Jörg Zink "Die letzten sieben Tage der Schöpfung" warnt eindringlich vor ungebremstem Wachstum, das die Zukunft außer Acht lässt und damit unsere Verantwortung für die späteren Generationen.

Die Sätze des libanesisch-amerikanischen Dichters Khalil Gibran (1883–1931) aus seinem Buch "Der Prophet" und die damit verknüpften indianischen Weisheitstexte greifen diese, über die Gegenwart hinausreichende Verantwortung auf. Ich habe sie aus diesem Grund mit dem zweiten Teil des Sölle-Gedichts ans Ende der Lesung gestellt. Als Hoffnungszeichen.

Doch die gesprochenen Worte wurden erst durch die Musikperformance lebendig. Das Stimmengewirr aus unterschiedlichsten, nicht mehr zu identifizierenden Sprachen erinnerte an den vergeblichen Versuch Gott gleich sein zu wollen: Dem größenwahnsinnigen Plan in Babel, einen Turm bis zum Himmel zu bauen, wurde genau damit Einhalt geboten. Durch die Stimmenverwirrung, die das Chaos und das Ende des Turmbaus einleitete.

 
 
 

Die Improvisationen mit Instrument und die korrespondierenden Geräusche auf den Grashalmen klangen wie Schreie der leidenden Schöpfung. Mir hat es auch im weiteren Verlauf mehrfach Schauer über den Rücken gejagt. Dann die leisen Töne am Ende und der symbolische Kreis: Mir wird bewusst, was Schöpfungsverantwortung und solidarisches Handeln bedeuten. Dass mit dem letzten Ton und in die Stille hinein ein Hund fröhlich schwänzelnd in die Kapelle läuft, unterstreicht die Aussagen. Ganz unfreiwillig, denn das war von Niemandem geplant.

Geoffroy und Hartmut, danke für dieses eindrucksvolle Erlebnis!